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Private Krankenversicherung

Private Krankenversicherung vs. Pflichtversicherung (ÖGK/SVS/BVAEB) - Der Vergleich für Österreich

10 Min. Lesezeit
15. Februar 2024

Wichtige Info vorab

Private und gesetzliche Krankenversicherung unterscheiden sich fundamental. Dieser Vergleich hilft Ihnen zu verstehen, welches System besser zu Ihrer Lebenssituation passt. Die Entscheidung ist weitreichend und sollte gut überlegt sein.

Private Krankenversicherung vs. Pflichtversicherung in Österreich

In Österreich existieren zwei Systeme der Krankenversicherung: Die gesetzliche Pflichtversicherung (ÖGK, SVS, BVAEB) und die private Krankenversicherung als freiwillige Zusatzversicherung.

Die gesetzliche Pflichtversicherung wird von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), der Sozialversicherung der Selbständigen (SVS) und weiteren Trägern verwaltet. Die private Krankenversicherung unterliegt der Aufsicht der Finanzmarktaufsicht (FMA).

Wer kann eine private Krankenversicherung abschließen?

  • Selbstständige und Freiberufler: Pflichtversichert bei SVS, können private Krankenversicherung als Zusatzschutz nutzen
  • Beamte (BVAEB): Pflichtversichert, ergänzen oft mit privater Krankenversicherung für Sonderklasse
  • Angestellte (ÖGK): Pflichtversichert, private Krankenversicherung nur als Zusatzversicherung möglich
  • Studenten: Pflichtversichert (Mitversicherung oder Selbstversicherung), können Zusatzschutz ergänzen

Achtung: In Österreich gilt die allgemeine Versicherungspflicht. Eine reine Privatversicherung ohne gesetzliche Basis ist nicht möglich. Die private Krankenversicherung wird hier als Zusatzversicherung zur Pflichtversicherung (ÖGK, SVS, BVAEB) genutzt.

Der direkte Vergleich

Private Krankenversicherung

Individuelle Leistungen

Sie wählen Ihren Leistungsumfang selbst

Chefarztbehandlung

Behandlung durch erfahrenste Ärzte

Keine Wartezeiten

Deutlich schnellere Terminvergabe

Sonderklasse

Privatsphäre im Krankenhaus

Gesundheitsprüfung

Vorerkrankungen können zu Ausschlüssen führen

Altersrückstellungen

Beiträge steigen im Alter trotzdem

Pflichtversicherung (ÖGK/SVS/BVAEB)

Solidarprinzip

Beitrag nach Einkommen, nicht nach Risiko

Familienversicherung

Kinder und Ehepartner oft mitversichert

Keine Gesundheitsprüfung

Aufnahme ohne Vorbehalte

Stabile Beiträge

Prozentsatz vom Einkommen

Standardleistungen

Eingeschränkter Leistungskatalog

Lange Wartezeiten

Wochen bis Monate auf Termine

Kosten im Vergleich

KriteriumPKVGKV
BeitragsberechnungNach Alter, Gesundheit, LeistungsumfangNach Einkommen (Prozentsatz)
Einstiegsbeitrag (30 Jahre)ca. 150-400 €/Monatca. 7,65% vom Bruttoeinkommen
BeitragsentwicklungSteigt mit Alter und GesundheitskostenSteigt mit Einkommen
FamilieJede Person extra versichernOft mitversichert (keine Zusatzkosten)
ArbeitslosigkeitVoller Beitrag weiter zu zahlenReduzierter Beitrag oder Übernahme

Rechenbeispiel: Wann lohnt sich die PKV finanziell?

Beispiel 1: Selbstständiger, 35 Jahre, gesund

  • GKV: 450 €/Monat (bei 5.000 € Einkommen)
  • PKV (Komfort-Tarif): 280 €/Monat
  • Ersparnis: 170 €/Monat = 2.040 €/Jahr
  • Fazit: PKV ist günstiger und bietet mehr Leistung

Beispiel 2: Angestellter mit Familie, 40 Jahre

  • GKV: 450 €/Monat (Familie mitversichert)
  • PKV: 350 € (Person 1) + 300 € (Partner) + 150 € (Kind) = 800 €/Monat
  • Mehrkosten: 350 €/Monat = 4.200 €/Jahr
  • Fazit: GKV ist günstiger für Familien

Leistungen im Detail

Ambulante Behandlung

PKV

  • ✓ Freie Arztwahl (auch Privatärzte)
  • ✓ Bevorzugte Terminvergabe
  • ✓ Mehr Zeit beim Arzt
  • ✓ Erstattung privater Behandlungen
  • ✓ Alternative Heilmethoden oft inkludiert

GKV

  • ✓ Kassenärzte kostenlos
  • — Privatärzte oft nicht erstattungsfähig
  • — Längere Wartezeiten
  • — Weniger Zeit pro Patient
  • — Alternative Heilmethoden meist nicht

Stationäre Behandlung

Private Krankenversicherung

  • ✓ Chefarztbehandlung garantiert
  • ✓ Sonderklasse
  • ✓ Freie Krankenhauswahl
  • ✓ Keine Zuzahlungen
  • ✓ Rooming-in bei Kindern

ÖGK

  • ✓ Medizinisch notwendige Behandlung
  • — Allgemeine Gebührenklasse (Standard)
  • — Diensthabender Arzt (nicht immer Chefarzt)
  • — Zuzahlungen möglich
  • — Eingeschränkte Zusatzleistungen

Zahnbehandlung

PKV

  • ✓ 80-100% Erstattung je nach Tarif
  • ✓ Hochwertige Materialien
  • ✓ Implantate oft inkludiert
  • ✓ Professionelle Zahnreinigung
  • ✓ Kieferorthopädie

GKV

  • — Regelversorgung (Basis)
  • — Einfache Materialien
  • — Hohe Zuzahlungen bei Zahnersatz
  • — Keine Prophylaxe für Erwachsene
  • — Kieferorthopädie nur für Kinder

Für wen lohnt sich die PKV?

PKV ist ideal für:

  • Selbstständige und Freiberufler

    Wenn GKV-Beitrag höher als PKV-Beitrag ist

  • Gut verdienende Singles

    Ohne Familienversicherungs-Vorteil der GKV

  • Junge, gesunde Personen

    Niedrige Einstiegsbeiträge durch gute Gesundheit

  • Beamte

    Durch Beihilfe sehr günstig

  • Menschen mit hohen Ansprüchen

    An medizinische Versorgung und Service

GKV ist besser für:

  • Familien mit Kindern

    Familienversicherung spart viel Geld

  • Personen mit Vorerkrankungen

    PKV kann ablehnen oder hohe Zuschläge verlangen

  • Ältere Personen (50+)

    Hohe Einstiegsbeiträge in der PKV

  • Unsichere Einkommenssituation

    GKV passt sich dem Einkommen an

Die häufigsten Irrtümer

Irrtum 1: "Die PKV wird im Alter unbezahlbar"

Wahrheit: PKV-Tarife bilden Altersrückstellungen. Beiträge steigen, aber nicht unbegrenzt. Viele Versicherte zahlen auch im Alter weniger als in der GKV.

Irrtum 2: "Ich kann jederzeit zurück in die GKV"

Wahrheit: Rückkehr ist schwierig und oft nur bis 55 Jahre möglich. Die Entscheidung sollte langfristig getroffen werden.

Irrtum 3: "In der GKV bekomme ich schlechtere Behandlung"

Wahrheit: Medizinisch notwendige Behandlungen sind in beiden Systemen gewährleistet. PKV bietet mehr Komfort und Zusatzleistungen, nicht grundsätzlich bessere Medizin.

Irrtum 4: "PKV lohnt sich nur für Reiche"

Wahrheit: Auch mit mittlerem Einkommen kann PKV günstiger und besser sein - vor allem für Singles und Selbstständige.

Checkliste: Welches System passt zu mir?

Beantworten Sie diese Fragen:

  • Bin ich selbstständig oder angestellt?
  • Habe ich eine Familie oder plane ich Kinder?
  • Wie ist mein aktueller Gesundheitszustand?
  • Wie hoch ist mein Einkommen? (Vergleichen Sie die Beiträge)
  • Wie wichtig sind mir Extras wie Sonderklasse und Chefarzt?
  • Wie stabil ist meine Einkommenssituation?
  • Wie wichtig ist mir Planungssicherheit bei den Beiträgen?

Fazit: Es kommt auf Ihre Situation an

  • Keine pauschale Empfehlung: Beide Systeme haben Vor- und Nachteile
  • Individuelle Berechnung: Was für andere gilt, muss nicht für Sie gelten
  • Langfristig denken: Die Entscheidung hat Auswirkungen für Jahrzehnte
  • Professionell beraten lassen: Ein unabhängiger Vergleich lohnt sich

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