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Gesundheit & Pflege

Pflegeversicherung in Österreich - Vorsorge für den Pflegefall

7 Min. Lesezeit
25. März 2024

Jeder vierte Österreicher wird pflegebedürftig. Die Kosten für professionelle Pflege erreichen schnell 3.000-6.000 Euro monatlich. Das staatliche Pflegegeld deckt meist nur einen Bruchteil ab. Erfahren Sie, warum private Pflegevorsorge so wichtig ist.

Warum ist Pflegevorsorge so wichtig?

Die erschreckende Realität

  • Etwa 25% aller Menschen werden pflegebedürftig
  • Durchschnittliche Pflegedauer: 8-10 Jahre
  • Kosten im Pflegeheim: 3.000-6.000 € pro Monat
  • 24h-Betreuung zu Hause: 2.500-4.000 € pro Monat
  • Staatliches Pflegegeld: 165-1.908 € (je nach Stufe)

Die Pflegelücke

Die Differenz zwischen tatsächlichen Pflegekosten und staatlichen Leistungen nennt man Pflegelücke. Sie kann mehrere tausend Euro monatlich betragen und muss aus eigenem Vermögen finanziert werden.

Das staatliche Pflegesystem in Österreich

Pflegegeld-Stufen in Österreich (2024)

PflegestufePflegebedarf/MonatPflegegeld/Monat
Stufe 1Über 65 Stunden165,00 €
Stufe 2Über 95 Stunden304,30 €
Stufe 3Über 120 Stunden474,00 €
Stufe 4Über 160 Stunden713,00 €
Stufe 5Über 180 Stunden969,00 €
Stufe 6Über 180 Stunden + zeitlich unkoordinierbar1.332,00 €
Stufe 7Über 180 Stunden + keine Bewegungsfähigkeit1.908,00 €

Beispiel: Bei Pflegestufe 4 erhalten Sie 713 € Pflegegeld. Ein Pflegeheimplatz kostet aber 3.000-4.000 €. Sie müssen also 2.300-3.300 € monatlich aus eigener Tasche zahlen – das sind bis zu 40.000 € pro Jahr!

Arten der privaten Pflegevorsorge

Pflegetagegeld

Zahlt einen festen Tagessatz ab einer bestimmten Pflegestufe.

  • +Flexible Verwendung
  • +Planbare Leistung
  • +Keine Nachweise nötig
  • Beiträge steigen im Alter

Empfohlen: 50-100 € pro Tag

Pflegerente

Zahlt eine monatliche Rente ab Pflegebedürftigkeit.

  • +Lebenslange Zahlung
  • +Staffelung nach Pflegegrad
  • +Oft günstigere Beiträge
  • Komplexere Berechnung

Empfohlen: 1.500-3.000 € monatlich

Einmalzahlung

Einmalige Kapitalzahlung bei Feststellung der Pflegebedürftigkeit.

  • +Sofort verfügbar
  • +Umbaumaßnahmen finanzierbar
  • Kann bei langer Pflege nicht reichen
  • Meist höhere Beiträge

Empfohlen: 50.000-100.000 €

Was kostet eine Pflegeversicherung?

Beispiel-Beiträge für Pflegetagegeld (50 € pro Tag)

EintrittsalterMonatsbeitrag FrauMonatsbeitrag Mann
30 Jahre25-35 €20-30 €
40 Jahre40-55 €35-45 €
50 Jahre70-90 €60-80 €
60 Jahre120-160 €100-130 €

Wichtig

Je früher Sie einsteigen, desto günstiger ist der Beitrag – und dieser bleibt dann (meist) konstant. Wer mit 30 Jahren abschließt, zahlt deutlich weniger als jemand, der erst mit 50 Jahren startet.

Für wen ist eine Pflegeversicherung besonders wichtig?

Dringend empfohlen für:

  • Menschen ohne große Ersparnisse: Können Pflege sonst nicht finanzieren
  • Alleinstehende: Keine Familie, die einspringen kann
  • Immobilienbesitzer: Wollen Haus nicht verkaufen müssen
  • Menschen mit Pflegefall in der Familie: Kennen die Belastung
  • Junge Menschen: Profitieren von niedrigen Beiträgen

Auch sinnvoll für:

  • Selbstständige ohne Absicherung
  • Frauen (höheres Pflegerisiko)
  • Menschen mit Vorerkrankungen (solange noch versicherbar)

Worauf beim Abschluss achten?

Wichtige Vertragsdetails

  1. Leistungsbeginn: Ab welcher Pflegestufe zahlt die Versicherung?
  2. Wartezeit: Manche Tarife haben 3-5 Jahre Wartezeit (außer bei Unfall)
  3. Beitragsdynamik: Automatische Erhöhung zum Inflationsausgleich
  4. Beitragsbefreiung: Bei Pflegebedürftigkeit keine Beiträge mehr zahlen
  5. Leistungsfall-Definition: Nach österreichischem oder deutschem Pflegesystem?
  6. Weltweiter Schutz: Auch im Ausland versichert?

Gesundheitsfragen

Pflegeversicherungen haben meist Gesundheitsfragen. Vorerkrankungen können zu Ablehnungen oder Ausschlüssen führen. Deshalb: Je jünger und gesünder, desto besser!

Alternativen und Ergänzungen

Eigenvorsorge durch Vermögensaufbau

Alternative zur Versicherung: Sparen und Investieren. Nachteil: Bei früher Pflegebedürftigkeit ist nicht genug Kapital vorhanden.

Immobilien als Pflegefinanzierung

Viele finanzieren Pflege durch Verkauf oder Beleihung der Immobilie. Problem: Emotionaler Verlust des Familienheims.

Regress durch Kinder

Können Kinder zahlen, springt manchmal der Staat vor und holt sich das Geld von den Kindern zurück (Elternregress). Seit 2023 aber stark eingeschränkt (nur bei Vermögen über 100.000 €).

Nützliche externe Ressourcen

Sozialministerium Österreich

Offizielle Infos zu Pflegegeld und Pflegestufen

Zum Sozialministerium →

Arbeiterkammer Österreich

Ratgeber zur Pflegevorsorge und Pflegeversicherung

Zur AK →

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Je jünger Sie sind, desto günstiger ist die Pflegeversicherung. Ich berate Sie individuell zu Leistungshöhe, Tarifen und finde die beste Lösung für Ihre Situation.

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Häufig gestellte Fragen

Ab wann sollte ich eine Pflegeversicherung abschließen?

Idealerweise zwischen 30 und 40 Jahren. Dann sind Sie noch gesund (leichte Annahme) und die Beiträge sind niedrig. Mit jedem Jahr wird es teurer.

Was passiert, wenn ich die Beiträge nicht mehr zahlen kann?

Die meisten Versicherungen bieten Beitragsfreistellung an. Der Vertrag ruht dann, Sie erhalten aber reduzierte Leistungen. Nach Wiederaufnahme der Zahlungen gilt wieder der volle Schutz.

Kann ich die Pflegeversicherung von der Steuer absetzen?

Ja, teilweise. Beiträge zur Pflegeversicherung können als Sonderausgaben geltend gemacht werden, allerdings nur bis zum Höchstbetrag aller Versicherungen (derzeit etwa 2.920 €/Jahr).

Haben Sie Fragen zu Ihrer Situation?

Jeder Fall ist individuell. Lassen Sie uns gemeinsam die beste Lösung für Sie finden.